Vergangenheitsbewältigung & Traumata
Jeder hat sein Päckchen zu tragen, so sagt der Volksmund. Manche Päckchen sind allerdings voller und schwerer als andere. Und manche Päckchen mit angesammelten Inhalten der Vergangenheit beeinflussen sehr maßgeblich die aktuelle Lebenssituation und die aktuellen Verhaltensmuster. Dies ist normal und kann durchaus positiv sein, aber es kann auch zu großem empfundenen Leiden führen. Beispielsweise: Muster bei der Partnerwahl, Beziehungskonflikte, Selbstaufopferung im sozialen Bereich usw.
Hier genauer hinzuschauen, Zusammenhänge zu erkennen, kann nicht nur bestimmte Denk- und Verhaltensmuster erklären, sondern bildet auch die Basis für positive Veränderungsprozesse. Manchmal ist es nicht die aktuelle Situation, die dich so stark belastet – sondern etwas in dir reagiert, als wäre es noch damals. Das zeigt sich zum Beispiel als innere Unruhe, Überforderung, Druckgefühl, Grübeln, Rückzug, Reizbarkeit, Kontrollzwang, emotionale Taubheit oder das Gefühl, „nicht richtig“ zu sein.
Was „Trauma“ wirklich bedeutet
Trauma ist nicht nur das, was passiert ist – sondern vor allem das, was in dir dabei passiert ist: ein Moment (oder eine Phase), in der Schutz, Orientierung oder Handlungsmacht gefehlt haben. Das Nervensystem lernt dann sehr schnell Strategien, um zu überleben: kämpfen, fliehen, erstarren, funktionieren, sich anpassen, alles kontrollieren, niemandem zur Last fallen. Wichtig: Nicht jedes Trauma sieht dramatisch aus. Und nicht jedes „kleine“ Erlebnis ist klein, wenn es ein Kind betrifft oder wenn du damals allein warst.
„Schwarzes“ und „weißes“ Trauma
In manchen therapeutischen Kontexten unterscheidet man grob zwischen zwei Formen:
- „Schwarzes“ Trauma: ein klar erkennbares Schockereignis (z. B. Unfall, Übergriff, plötzlicher Verlust, Gewalt, medizinische Notfälle).
- „Weißes“ Trauma: eher leise, oft über längere Zeit – z. B. emotionale Vernachlässigung, ständige Abwertung, chronische Unsicherheit, Parentifizierung („ich musste früh stark sein“), fehlende sichere Bindung, wiederholte Grenzverletzungen. Es sind nicht unbedingt einzelne „katastrophale“ Szenen – eher ein Klima, das das innere Erleben formt.
Gerade weißes Trauma wird häufig spät erkannt, weil es „normal“ wirkte oder weil man gelernt hat, es zu relativieren. Und trotzdem kann es sehr tief wirken: auf Selbstwert, Nähe/Distanz, Vertrauen, Leistungsdruck, Schuldgefühle, Scham – und auf das Gefühl, wirklich sicher zu sein.
Prägungen und Kindheit
Die Kindheit ist nicht einfach „Vergangenheit“. Sie ist oft das Betriebssystem, auf dem unser inneres Erleben lange läuft, denn gerade in dieser Zeit sind elementare Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster geprägt worden. Ein Kind zieht aus Erfahrungen Schlussfolgerungen, die damals sinnvoll waren: „Ich darf keine Fehler machen.“ – „Ich muss leisten, um geliebt zu werden.“ – „Ich darf nicht auffallen.“ – „Wenn ich Bedürfnisse habe, werde ich zur Last.“ Dieses „innere Kind“ zeigt sich auch im Erwachsenenalter in verschiedensten Situationen; durch das innere Erleben oder das äußere Verhalten.
Wie ich arbeite
Trauma-Arbeit und Vergangenheitsbewältigung braucht Sicherheit, Stabilität und gute Führung. In meiner Arbeit nutze ich hypnotherapeutische Methoden, um:
- Ressourcen und innere Sicherheit aufzubauen (Stabilisierung, innere Orte, Anker)
- dem Nervensystem zu helfen, wieder regulierbarer zu werden (von Alarm zu Orientierung)
- belastende Erinnerungen dosiert zu verarbeiten – ohne Überflutung
- alte Schutzmuster wertschätzend zu lösen und durch passendere Strategien zu ersetzen
- Integration zu fördern: du erinnerst dich – aber es „packt dich“ nicht mehr
Dabei gilt: du bestimmst Tempo und Tiefe. Nicht jedes Thema braucht eine detaillierte Nacherzählung. Oft ist es hilfreicher, mit dem zu arbeiten, was heute noch wirkt: Trigger, Körperreaktionen, innere Bilder, emotionale Knoten.
Wann das besonders hilfreich ist
Wenn du merkst, dass du immer wieder in ähnliche Dynamiken gerätst (Beziehung, Beruf, Grenzen, Selbstwert), wenn dich bestimmte Situationen „unverhältnismäßig“ treffen, oder wenn du spürst: „Ein Teil in mir steckt noch fest.“ – dann kann Vergangenheitsbewältigung genau der Schritt sein, der dein ganzes System entlastet.
Wenn du möchtest, schauen wir gemeinsam, was bei dir wirklich dahinterliegt – klar, respektvoll und auf Augenhöhe.








